Im Lande Draculas - Reise nach Transsylvanien

Transsylvanien hat mehr als Dracula zu bieten
Eine Reise durch zwei historische Provinzen in Rumänien, wo sich Motorradfahren und Kultur prächtig ergänzen


Wer Transsylvanien hört, dem kommt meistens Dracula in den Sinn. Doch es finden sich hier in dieser rumänischen Provinz fantastische Kirchenburgen, mittelalterliche Orte, die Karpaten und orthodoxe Klöster. Was lag für uns also näher, als sich diesen Teil von Rumänien einmal genauer anzuschauen. Außerdem stand die Bucovina auf unserer Besuchsliste.

Nachdem wir, Uschi und ich, 2017 den äußersten Westen der Europäischen Union - Portugal - bereist haben, stand 2018 der äußerste Osten - Rumänien - auf dem Programm.

Wie immer, wenn wir monatelang unterwegs sind, haben wir unsere eigene "Burg" dabei. Das heißt, Campingbus, Anhänger, großes Vorzelt und natürlich unsere Harley Davidson FLHTP, Baujahr 1995, mit mittlerweile 123.000 Meilen (200.000 km) auf dem Tacho.

Wir haben uns 3 Standorte ausgesucht: Cârța (Cîrța), Mediaș (Mediasch) und Fundu Moldovei (Luisenthal). Von dort aus haben wir täglich unsere Besichtigungstouren unternommen.

Die Straßen in Rumänien sind sehr unterschiedlich. Es gibt gute und sehr sehr schlechte Straßen. Besonders die Nebenstraßen haben es in sich. Es kann passieren, dass eine gute Straße, die durch zwei Kreise führt, plötzlich in Schotter übergeht, weil man sich über die Kosten nicht einig wurde. Uns ist das mehrfach passiert. Wenn dies nach einem Unwetter geschieht, sind diese Straßen dann kaum noch passierbar. Es empfiehlt sich den Straßenzustand vor Ort zu erfragen.

Außerdem sind die Bahnübergänge ein Erlebnis für sich. Da heißt es die Geschwindigkeit auf Schritttempo zu reduzieren. Die Übergänge sind voller Löcher und die Schienen liegen meistens höher wie die Straße. Also Vorsicht! Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die rumänischen Autofahrer sehr risikofreudig sind. Sie überholen oft an unübersichtlichen Stellen und verursachen dadurch schwere Unfälle, was man an den vielen Kreuzen am Straßenrand sehen kann. Deshalb immer defensiv fahren!

Unsere ersten Touren führten uns in die Südkarpaten, die oft auch Transsilvanische Alpen (Carpati Meridionali) genannt werden. Das Gebirge trennt Siebenbürgen (nördlich) von der Walachei (südlich). Die Höhe erreicht mit dem Moldoveanu bis zu 2.544 m.

Wir wollten zuerst die Drumul Transfăgărășan oder einfach Transfăgărășan (Transfogarascher Hochstraße) in Angriff nehmen. Leider ist sie über den Bâlea-Pass von November bis Juni gesperrt, so dass wir nur bis zur Seilbahn, die zum Bâlea-Wasserfall führt, fahren konnten.

Die Transfogarascher Hochstraße (Passhöhe 2.042 m) verbindet das Arges-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen. Dabei überquert sie das Făgăraș-Gebirge, eine Gebirgsgruppe in den Transsilvanischen Alpen.


Natürlich standen auch die Städte Brașov (Kronstadt) und Sibiu (Hermannstadt) auf dem Programm. Der deutsche Einfluss der Siebenbürgen Sachsen ist überall deutlich erkennbar. Viele Ortsschilder sind heute zweisprachig in Rumänisch und Deutsch. 
Auch Schloss Bran (Törzburg), das allgemein als Draculaschloss benannt wird, wollten wir besuchen, aber als wir die Menschenmassen davor sahen, haben wir Abstand davon genommen.

Die Transalpina, auch als Drum național 67C, kurz DN67C, bezeichnet, war leider auch teilweise gesperrt. Doch wir haben sie von beiden Seiten angefahren, denn der Weg ist das Ziel. Die Transalpina ist eine touristisch sehr bedeutsame Straße in Rumänien. Sie durchquert die Transsilvanischen Alpen und erreicht eine Höhe von 2.132 m.

Nach 3 Wochen wechselten wir unseren Standort und zogen nach Blăjel (Kleinblasendorf) bei Mediaș um. In dieser Gegend findet sich fast in jedem Ort eine Kirchenburg, darunter viele UNESCO Weltkulturerbe-Orte wie Valea Viilor (Wurmloch) und Biertan (Birthälm).

Außerdem ist mit Schäßburg (Sighișoara) einer der schönsten Orte Rumäniens zu bewundern. Angeblich wurde hier Vlad III. Drăculea geboren. Auch Targu Mures (Neumarkt am Mieresch) mit seinem prächtigen Kulturpalast, im ungarischen Jugendstil erbaut, war uns einen Besuch wert.

Nach weiteren 3 Wochen zog es uns dann in die Ostkarpaten, in die Bucovina (Bukowina - Buchenland), wo wir in Fundu Moldovei einen herrlichen Campingplatz fanden. Hier galt unser Interesse den wunderschönen orthodoxen Moldauklöstern Moldovița, Sucevița, Voroneț und Humur mit den großartig bemalten Außenwänden,

Die Hauptstraßen in dieser Gegend sind Dank der EU in sehr gutem Zustand und es gab kaum Verkehr. Wir haben auch hier viele Kilometer hinter uns gebracht.  Besonders die E58 von Bistrița (Bistritz) nach Câmpulung Moldovenesc (Kimpolung) mit den Pässen Pasul Tihuța (1.208m) und Pasul Mestecăniș (1.096m) ist ein Genuss für jeden Motorradfahrer. Auf dem Pasul Tihuța kann man im Hotel Dracula gut übernachten. Dort kann man sich zudem in einer Gruft gruseln, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen.

Resümee: Auch wer nicht so an Kultur interessiert ist wie wir, der findet in Rumänien als Motorradfahrer viele fantastische Straßen. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind sehr niedrig. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Jung und alt bewunderten unsere Harley immer wieder. Wir können Rumänien als Motorradreiseland nur empfehlen und beabsichtigen selber, nochmals dorthin zu fahren.

Weitere Bilder und einen ausführlichen Reisebericht (der zurzeit in Arbeit ist) kann man auf meiner Homepage finden.

Sollte mal ein Gruppe von Rulaman Interesse an einer Rumänientour haben, so gibt es eine guten Veranstalter: www.romotour.ro.

Text und Bilder von Rolf Kummer und Uschi Agboka





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